Ohne Websuche nennt KI keinen von 20 Betrieben, mit Websuche sechs
Wir haben 20 reale Betriebe aus dem deutschsprachigen Raum per API mit GPT-4o mini, Claude Sonnet 5.5 und Gemini 2.5 Flash geprüft. Aus dem trainierten Wissen der Modelle wurde keiner genannt: 0 von 960 Abfragen. Mit Websuche tauchten 6 von 20 Betrieben auf, in 28 von 240 Abfragen (11,7 Prozent). Die Mehrheit, 14 von 20 Betrieben, blieb auch mit Websuche ungenannt.
Das Ergebnis in Kürze
Ohne Websuche, also aus dem trainierten Wissen der Modelle, nannte keine der drei KI-Engines einen der 20 Betriebe: 0 von 960 Abfragen. Mit Websuche nannten sie 6 von 20 Betrieben mindestens einmal, in 28 von 240 Abfragen (11,7 Prozent). Auf Kaufabsicht-Fragen wie „Bester Zahnarzt in München“ blieben die getesteten Betriebe damit meist ungenannt.
14 von 20 Betrieben blieben auch mit Websuche in allen 12 Abfragen ungenannt. Am häufigsten kam ein Immobilienmakler in Stuttgart vor, in 9 von 12 Abfragen. Welche Seiten die Websuche lieferte, haben wir nur bei Claude erfasst, und zwar als Trefferliste der Suche, nicht als Quellen, auf die sich die Antwort stützt. In diesen Suchergebnissen standen am häufigsten Verzeichnisse, Ranglisten und Bewertungsportale: kennstdueinen.de in 35 von 80 Abfragen, dasoertliche.de in 34, golocal.de und threebestrated.de in je 33.
Zum Vergleich: Die Erstmessung im Juli 2026 hatte ohne Websuche eine Nennung in 480 Abfragen ergeben (0,2 Prozent, 19 von 20 Betrieben ungenannt). Sie nutzte den lockereren Namensabgleich von namedly, der schon einen übereinstimmenden Namensteil als Treffer zählt. Nach dieser Regel hätte auch die Oktober-Messung ohne Websuche zwei Treffer ergeben, nach der strengen Regel keinen. Die Einzelergebnisse vom Juli wurden nicht gespeichert und lassen sich nicht nachprüfen. Deshalb haben wir im Oktober neu gemessen und jede Abfrage protokolliert.
Wie wir getestet haben
Das Sample: 20 reale, unabhängige Betriebe, keine Ketten, keine Verzeichnisse. Verteilt über 10 Branchen (Zahnarzt, Friseur, Steuerberater, Restaurant, Tischler, Immobilienmakler, Physiotherapie, Tierarzt, Fahrschule, Bäckerei/Konditorei) und 10 Städte (München, Hamburg, Nürnberg, Köln, Berlin, Stuttgart, Wien, Frankfurt, Düsseldorf, Dresden).
Gemessen haben wir mit einem Messskript auf Basis unseres Tools namedly. Ohne Websuche: drei KI-Engines (ChatGPT, Claude, Gemini, jeweils über die API des Anbieters) mal acht Kaufabsicht-Prompts in zwei Durchläufen, das sind 48 Abfragen pro Betrieb und 960 insgesamt. Mit Websuche: dieselben Engines mit den ersten vier Prompts in einem Durchlauf, 12 Abfragen pro Betrieb und 240 insgesamt. Eine feste Anweisung vor jeder Frage verlangte nur eine Liste mit 3 bis 5 empfohlenen Anbietern, ohne Erklärung. Fast alle Antworten (1.154 von 1.200) nannten 4 oder 5 Anbieter, ein Betrieb musste es also in eine kurze Liste schaffen. Ein Treffer zählt nur, wenn der unterscheidende Teil des Firmennamens vollständig in der Antwort steht. Ein ähnlich klingender Name zählt nicht.
Modelle laut Angabe der Anbieter: GPT-4o mini (gpt-4o-mini-2024-07-18), Claude Sonnet 5.5 (claude-sonnet-5-5) und Gemini 2.5 Flash (gemini-2.5-flash). Gemessen wurde am 5. Oktober 2026. Ohne Websuche antworten die Modelle nur aus ihrem trainierten Wissen. Mit Websuche kam in dieser Anweisung der Auftrag hinzu, vor der Antwort im Web zu recherchieren, und bei jeder der 240 Abfragen hat das Modell nachweislich gesucht. Die Namen der Betriebe bleiben aus Fairness anonym, ausgewertet wird nur nach Branche und Stadt. Stand Oktober 2026.
Die anonymisierten Einzelergebnisse aller 1.200 Abfragen stehen als CSV-Datei bereit, eine Zeile je Abfrage. Die Prompts 0 bis 7 lauten: „Bester [Branche] in [Stadt]“, „[Branche] [Stadt] Empfehlung“, „Welchen [Branche] in [Stadt] könnt ihr empfehlen?“, „Guter [Branche] in der Nähe von [Stadt]“, „[Branche] [Stadt] mit guten Bewertungen“, „Wer ist der beste [Branche] in [Stadt] und Umgebung?“, „[Branche] in [Stadt] gesucht. Welcher Anbieter ist zu empfehlen?“ und „Top [Branche] [Stadt]“. Das vollständige Protokoll mit den Rohantworten enthält Firmennamen und bleibt deshalb intern. In der CSV-Datei stehen Bäckerei und Konditorei als getrennte Branchen, in der Tabelle unten sind sie zusammengefasst. Die Datei ist UTF-8-kodiert und kommagetrennt, in Excel öffnet man sie am besten über „Daten“ und „Aus Text/CSV“.
Die Zahlen nach Branche
| Branche | Betriebe | ohne Websuche | mit Websuche |
|---|---|---|---|
| Zahnarzt | 2 | 0/96 | 0/24 |
| Friseur | 2 | 0/96 | 4/24 |
| Steuerberater | 2 | 0/96 | 1/24 |
| Restaurant | 2 | 0/96 | 0/24 |
| Tischler | 2 | 0/96 | 3/24 |
| Immobilienmakler | 2 | 0/96 | 9/24 |
| Physiotherapie | 2 | 0/96 | 7/24 |
| Tierarzt | 2 | 0/96 | 4/24 |
| Fahrschule | 2 | 0/96 | 0/24 |
| Bäckerei/Konditorei | 2 | 0/96 | 0/24 |
| Gesamt | 20 | 0/960 | 28/240 |
Die Spalten zeigen, in wie vielen Abfragen einer der Betriebe einer Branche genannt wurde. Bei zwei Betrieben je Branche lässt sich daraus kein Branchenmuster ableiten. Die Engines unterscheiden sich mit Websuche: Claude und Gemini nannten in je 11 von 80 Abfragen einen der Betriebe, ChatGPT in 6 von 80.
Was die Websuche ändert, und was nicht
Ohne Websuche antworten die Modelle aus ihrem trainierten Wissen, und darin kam keiner der 20 Betriebe als Empfehlung vor. Mit Websuche greifen die Engines auf aktuelle Quellen zu, und ein Teil der Betriebe taucht auf. Was online über einen Betrieb zu finden ist, entscheidet also mit.
Trotzdem blieben 14 von 20 Betrieben auch mit Websuche ungenannt. Wie gut die Websites dieser Betriebe bei Google ranken, haben wir nicht gemessen. Gemessen wurde nur, ob die KI den Betrieb nennt.
Was KI-Sichtbarkeit wirklich treibt
KI-Sichtbarkeit hat drei Ebenen. Die erste ist technische Basis: sauberes Schema, für KI-Bots crawlbar, klare Antworten in den ersten Sätzen. Notwendig, aber allein nicht ausreichend.
Die zweite ist zitierfähiger Inhalt: eigene Zahlen, echte Antworten auf echte Fragen, dichte Absätze, die eine Frage vollständig beantworten. Die dritte, und das ist der eigentliche Hebel, sind Erwähnungen über unabhängige Quellen: Branchenverzeichnisse, Fachmedien, Bewertungen, konsistente Marken-Signale. Ein Ranking allein reicht nicht.
Was ein Betrieb jetzt tun kann
- Prüfen lassen, ob die eigene Seite für KI-Bots wie OAI-SearchBot, PerplexityBot und ClaudeBot überhaupt erreichbar ist. Viele sperren sie unbeabsichtigt aus.
- Struktur schärfen: Schema.org-Daten, FAQ-Blöcke mit echten Fragen, Antworten in den ersten zwei Sätzen.
- Unabhängige Präsenz aufbauen: vollständiges Google-Business-Profil, konsistente Einträge in Branchenverzeichnissen, Bewertungen, Fachbeiträge.
Die technische Basis ist in Tagen erledigt. Die unabhängige Präsenz wirkt über Wochen, weil KI-Modelle solche Quellen erst aufnehmen müssen. Wer jetzt anfängt, ist früh dran: kaum ein lokaler Betrieb hat eine dokumentierte GEO-Strategie.
Häufige Fragen
Was ist KI-Sichtbarkeit oder GEO?
Warum empfiehlt mich ChatGPT nicht, obwohl ich bei Google ranke?
Kann man KI-Sichtbarkeit messen?
Wie lange dauert es, bis KI meine Marke empfiehlt?
Ist GEO dasselbe wie SEO?
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Zitiervorschlag
bytebrise (Oktober 2026): KI-Sichtbarkeit lokaler Betriebe im deutschsprachigen Raum. Abgefragt per API mit GPT-4o mini, Claude Sonnet 5.5 und Gemini 2.5 Flash: Ohne Websuche nannte keines der drei Modelle einen von 20 getesteten Betrieben (0 von 960 Abfragen), mit Websuche wurden 6 von 20 genannt (28 von 240 Abfragen, 11,7 %). https://bytebrise.com/studie-ki-sichtbarkeit-mittelstand.html
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