Wenn Ihre Zahnarzt-Website keine Terminanfragen bringt, prüfen Sie vier Stellen, bevor Sie über einen Relaunch nachdenken: ob oben sofort ein nächster Schritt steht, ob die Telefonnummer antippbar ist, wie viele Pflichtfelder das Formular hat und ob Ihr Google-Unternehmensprofil gepflegt ist. Alle vier lassen sich ohne neue Website ändern.
Die Praxis in diesem Beitrag ist erfunden, ein Beispiel zum Durchdenken und kein Fall aus unseren Projekten. Angenommen, sie läuft gut: Wartezimmer voll, Empfehlungen aus dem Ort, ein Ruf, um den sich andere in der Region bemühen. Nur die Website bringt nichts. Über Monate keine Terminanfrage über das Formular, keine Anfrage, die sich auf die Seite zurückführen lässt.
Warum bringt eine Website mit gutem Ruf trotzdem keine Neupatienten?
Weil der gute Ruf online nicht von selbst sichtbar ist. Er wirkt im Bekanntenkreis, am Küchentisch, beim Grillfest im Ort. Ein Neupatient, der abends um halb elf Zahnschmerzen hat und "Zahnarzt in der Nähe" tippt, weiß nichts davon. Der sieht nur, was Google und Ihre Website in diesem Moment liefern.
Und in diesem Moment fällt die Praxis in unserem Beispiel an vier Stellen durch.
Prüfpunkt 1: kein klarer nächster Schritt über der Falz
Im Beispiel steht auf der Startseite ein großes Bild vom Behandlungszimmer, der Praxisname, dazu ein Satz wie "Ihr Lächeln liegt uns am Herzen". Schön. Nur: Was soll der Besucher jetzt tun? Das steht nirgends. Der erste Button kommt erst nach zweimal Scrollen, und der heißt dann "Mehr erfahren".
Menschen mit Zahnschmerzen wollen nicht mehr erfahren. Die wollen einen Termin.
Sofortmaßnahme: ein sichtbarer Button gleich oben, ohne Scrollen erreichbar, zum Beispiel "Termin anfragen" oder "Praxis anrufen". Daneben die Öffnungszeiten und außerhalb der Sprechzeiten ein Hinweis auf den zahnärztlichen Notdienst. Das ist eine Änderung im bestehenden Template, kein Relaunch.
Prüfpunkt 2: die Telefonnummer als Bild
Im Beispiel steht die Telefonnummer oben rechts, hübsch gesetzt, in der Hausschrift. Als Grafik. Als PNG. Nicht antippbar, nicht kopierbar, nichts.
Auf dem Handy heißt das: Der Interessent sieht die Nummer, muss sie sich merken oder abtippen, wechselt in die Telefon-App, vertippt sich vielleicht, gibt auf. Ein Screenreader kann eine Nummer als Bild ohne Alternativtext außerdem nicht vorlesen. Wie viele Erstkontakte übers Telefon kommen, weiß Ihr Empfang. Ist es der Großteil, sitzt die Hürde genau am wichtigsten Kanal.
Sofortmaßnahme: die Nummer als echten Link setzen, <a href="tel:+49...">. Ein Tipp, es klingelt. Dazu auf dem Handy ein deutlich sichtbarer Anruf-Button, der beim Scrollen mitläuft.
Prüfpunkt 3: das Kontaktformular mit acht Pflichtfeldern
Im Beispiel verlangt das Formular acht Angaben: Anrede, Vorname, Nachname, Straße, PLZ, Ort, Telefon, E-Mail. Plus ein Freitextfeld. Alles Sternchen, alles Pflicht.
Warum braucht eine erste Terminanfrage die Straße und die PLZ? Braucht sie nicht. Jedes Pflichtfeld ist eine weitere Hürde, und jede Angabe, die Sie nicht abfragen, müssen Sie auch nicht schützen. Ob ein kürzeres Formular bei Ihnen mehr Anfragen bringt, zeigt nur ein Vergleich der Anfragen vor und nach der Änderung.
Sofortmaßnahme: runter auf drei Felder. Name, Telefon oder E-Mail, Anliegen. Fertig. Den Rest klärt das Praxisteam beim Rückruf. Ein Formular ist keine Patientenakte, fragen Sie darin also nicht nach Beschwerden oder Befunden. Wie Sie mit Angaben umgehen, die trotzdem im Freitext landen, und welcher Übertragungsweg passt, klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten oder rechtlich im Einzelfall.
Prüfpunkt 4: kein gepflegtes Google-Unternehmensprofil
Im Beispiel gibt es einen Eintrag bei Google Maps, aber ungepflegt: keine Öffnungszeiten, ein altes Foto, keine Beschreibung, keine Antworten auf die vorhandenen Bewertungen. Das Profil wurde nie richtig beansprucht.
Für eine Praxis vor Ort zählt das Profil, weil bei einer Suche nach "Zahnarzt" plus Ortsname zuerst eine Karte mit einigen Einträgen erscheinen kann, noch vor den Websites. Was dort steht, sehen Suchende, bevor sie Ihre Seite öffnen: Öffnungszeiten, Telefonnummer, Weg, Bewertungen. Eine bestimmte Platzierung kann Ihnen dabei niemand zusagen.
Sofortmaßnahme: Profil beanspruchen, Öffnungszeiten und Leistungen eintragen, ein paar echte Fotos der Praxis hochladen. Das kostet nur Zeit, das Profil selbst ist kostenlos.
Bewertungen: bei einer Praxis mit Vorsicht
Für Heilberufe gelten bei Werbung, bei Patientendaten und damit auch beim Umgang mit Bewertungen besondere Regeln. Was das für Antworten auf Bewertungen, für Bitten um Bewertungen und für Bewertungen auf Ihrer Website heißt, klären Sie im Einzelfall rechtlich, etwa mit Ihrer Kammer, bevor Sie eine Routine daraus machen. Eine Faustregel aus dem Alltag gilt trotzdem: Eine Antwort auf eine Bewertung sollte nichts über eine Behandlung verraten.
Unabhängig davon gelten Googles eigene Regeln: Google verbietet, gezielt nur um positive Rezensionen zu bitten oder eine Gegenleistung anzubieten (Google-Richtlinien, abgerufen am 25.09.2026).
Ein Blick hinter den Empfang: wer eigentlich anruft
Aufschlussreich ist neben der Website die Frage am Empfang, wer da so anruft. Angenommen, die Antwort in unserer Beispielpraxis lautet: "Ach, das sind fast alles unsere Stammpatienten. Terminverschiebungen, Rezepte, sowas."
Dann liegt dort der eigentliche Befund. Die Praxis bekommt Anrufe, aber von Leuten, die sie ohnehin kennen. Neupatienten versickern irgendwo zwischen der nicht klickbaren Nummer, dem fehlenden Maps-Eintrag und einem Formular, das eher abschreckt als einlädt. Der gute Ruf hält die Praxis am Laufen, online sieht ihn nur niemand.
Für Ihre Praxis lässt sich das messen, ohne Patientendaten zu sammeln: Das Team führt zwei Wochen lang bei jedem Anruf eine Strichliste, neu oder bekannt, und bei Neuen, wie sie auf die Praxis gekommen sind. Namen braucht es dafür nicht.
Terminanfragen automatisieren: was geht, und wo ist Vorsicht nötig?
Sie können Terminanfragen automatisieren, indem jede Anfrage sofort eine Eingangsbestätigung bekommt und in einer gemeinsamen Liste des Teams landet, bis jemand zurückgerufen hat. Die Entscheidung über den Termin und alles, was Patientinnen und Patienten inhaltlich anschreibt, bleibt beim Praxisteam.
So gehen Sie vor:
- Jede Formularanfrage bekommt sofort eine Eingangsbestätigung mit Öffnungszeiten und Rückrufzeit, ohne den Inhalt der Anfrage zu wiederholen.
- Anfragen landen in einer gemeinsamen Liste des Teams, mit Status "offen" oder "zurückgerufen", statt in einem persönlichen Postfach, das im Urlaub niemand liest.
- Urlaub und Sonderzeiten werden an einer Stelle gepflegt und von dort auf Website und Google-Profil übertragen.
- Einmal im Monat prüft ein automatischer Test mit Testdaten, ob Telefonlink und Formular noch funktionieren.
- Die Strichliste am Empfang zeigt nach einigen Wochen, ob mehr neue Patienten über die Website kommen.
Angenommen, in unserer Beispielpraxis geht abends um halb elf eine Anfrage ein. Die Absenderin bekommt sofort eine Bestätigung mit den Sprechzeiten, am Morgen steht die Anfrage oben auf der Liste, und wer zurückruft, setzt sie auf "erledigt". Wie solche Abläufe aufgebaut sind, zeigen wir bei den sechs Abläufen auf unserer Startseite. Wir bauen dieses Angebot gerade erst auf, einen Betrieb, bei dem es bei uns schon dauerhaft läuft, gibt es noch nicht. Jeder Ablauf beginnt als Prototyp zum Festpreis ab 1.500 € mit vier Wochen Test in Ihrem Betrieb, danach folgt eine Monatspauschale, monatlich kündbar.
Vorsicht gilt bei allem, was Patientinnen und Patienten automatisch anschreibt, etwa SMS an verpasste Anrufer oder Bitten um Bewertungen. Ob und wie das in einer Praxis geht, klären Sie vorher rechtlich und mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.
Was das für Ihre Praxis heißt
Keiner der vier Prüfpunkte braucht einen Relaunch. Keine neue Website, kein großes Budget. Vier Eingriffe:
- Anruf-Button und klickbare Telefonnummer ganz oben, auch mobil
- Ein klares "Termin anfragen" über der Falz, ohne Scrollen
- Formular auf drei Felder eindampfen
- Google-Unternehmensprofil beanspruchen und pflegen
Ob am Ende doch ein Relaunch sinnvoll ist, hängt vom Zustand der Seite ab. Aus meiner Sicht lohnt es sich, erst die vier Punkte umzusetzen und dann zu entscheiden. Wie viel die vier Änderungen bei Ihnen bewirken, kann niemand vorher sagen. Führen Sie die Strichliste nach der Änderung noch einmal zwei Wochen, dann haben Sie einen Vergleich.
Wenn Sie beim Lesen an Ihre eigene Seite gedacht haben, machen Sie den Test selbst. Öffnen Sie Ihre Website am Handy. Können Sie die Telefonnummer antippen? Sehen Sie oben sofort, wie man einen Termin bekommt? Suchen Sie sich bei Google Maps.
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