Fünf Websites habe ich 2026 fertig gemacht. Ein Malerbetrieb in Olching, eine Steuerkanzlei in Germering, ein Physio-Studio in Puchheim, ein Elektriker in Maisach und ein kleiner Onlineshop für Imkereibedarf aus der Nähe von Gröbenzell. Auf dem Papier lief das meiste sauber. In der Praxis habe ich bei jedem dieser Projekte etwas gelernt, das in keinem Kurs steht und in keinem Angebot auftaucht. Dieser Text ist kein Best-of. Es ist die ehrliche Version, inklusive der Stellen, an denen ich es beim nächsten Mal anders mache.
Warum kommt der Content eigentlich immer später als versprochen?
Der Malerbetrieb aus Olching hatte mir im Erstgespräch versichert: Texte und Fotos liegen bereit, das ist kein Thema. Das war im Februar. Die Bilder kamen im Mai. Und was heißt Bilder. Drei verwackelte Handy-Aufnahmen von einer frisch gestrichenen Fassade, dazu ein Logo als winziges JPG.
Das ist kein Vorwurf an den Kunden. Ein Handwerker mit vollem Auftragsbuch schreibt seine Website-Texte nicht abends um zehn, das ist völlig nachvollziehbar. Mein Fehler war, dass ich den Zeitplan darauf gebaut habe, dass Inhalte pünktlich kommen. Sie kommen nie pünktlich. Bei keinem der fünf Projekte hat der Content den Termin gehalten, den wir vereinbart hatten. Bei keinem einzigen.
Was ich daraus gemacht habe: Ich arbeite inzwischen mit Platzhaltern, die echt aussehen, und ich schreibe Rohtexte selbst vor, die der Kunde dann nur noch korrigiert. Korrigieren ist leichter als schreiben. Das klingt banal, hat aber bei der Steuerkanzlei in Germering rund drei Wochen gespart. Ich habe die Standardtexte für Leistungen wie Lohnbuchhaltung und Jahresabschluss entworfen, die Kanzlei hat rote Striche reingemacht, fertig.
Mobile: warum Entscheider immer auf den großen Bildschirm schauen
Der Chef des Physio-Studios in Puchheim hat die Seite auf seinem 27-Zoll-Monitor abgenommen. Sah gut aus, sagte er, passt. Zwei Wochen nach dem Launch rief er an, leicht genervt: Auf dem Handy sei die Telefonnummer ja gar nicht gleich zu sehen.
War sie doch. Nur eben nach einem kurzen Scrollen, weil das Hero-Bild auf dem Smartphone mehr Höhe frisst als auf dem Desktop. Für ihn war der Desktop die Website. Für seine Patientinnen und Patienten, die aus dem Wartezimmer heraus oder von der Straße einen Termin suchen, ist es das Handy. Laut StatCounter lag der Mobil-Anteil am Web-Traffic in Deutschland 2025 grob bei über der Hälfte, je nach Messmethode schwankt das deutlich, aber die Richtung ist eindeutig.
Seitdem zeige ich Entwürfe zuerst am Handy. Ich schicke keinen Desktop-Screenshot mehr zur Freigabe, sondern einen Link, den der Kunde auf seinem eigenen Telefon öffnet. Die Diskussion über Schriftgrößen und Button-Abstände sieht danach völlig anders aus. Wer die eigene Seite mit dem Daumen bedient, versteht in dreißig Sekunden, was zehn E-Mails nicht erklären konnten.
Der Live-Chat, den nach zwei Wochen keiner mehr anfasste
Der Elektriker aus Maisach wollte unbedingt einen Live-Chat. Er hatte das bei einem größeren Betrieb gesehen und war überzeugt: So etwas braucht eine moderne Seite. Ich habe leise Bedenken angemeldet, aber es war sein Geld und sein Wunsch, also haben wir es eingebaut.
Die erste Woche war er begeistert. Er saß abends am Laptop und beantwortete Nachrichten. In der zweiten Woche kamen die Anfragen tagsüber, während er auf der Baustelle im Verteilerkasten hing. Niemand antwortete. Ein Chat, der nicht besetzt ist, wirkt schlechter als gar kein Chat, weil er ein Versprechen gibt, das keiner einlöst. Nach zwei Wochen haben wir ihn abgeschaltet.
Interessant war das, was daneben lief. Ein schlichtes Rückruf-Formular, drei Felder, Name, Nummer, kurze Nachricht. Das brachte konstant Anfragen. Nicht spektakulär viele, aber jede Woche zwei, drei ernsthafte, die er in einer Pause abarbeiten konnte, wann es ihm passte. Die einfachste Funktion hat gewonnen. Nicht die, die am modernsten aussah. Das ist eine Lektion, die ich seitdem in jedes Erstgespräch mitnehme.
Warum ein großer Funktionsumfang Projekte ausbremst
Beim Imkereibedarf-Shop wollten wir am Anfang zu viel. Filter nach Wachsart, Kundenkonten, Wunschlisten, ein Blog mit Bestäubungs-Tipps, Newsletter-Anbindung. Alles gleichzeitig. Der Shop hatte zum Start etwa vierzig Produkte.
Vierzig Produkte brauchen keine Filterlogik für tausend Artikel. Wir haben Wochen damit verbracht, Dinge zu bauen, die die kleine Kundschaft schlicht nicht gebraucht hat. Am Ende war es die Übersichtlichkeit, die verkauft hat, nicht die Feature-Liste. Jede zusätzliche Funktion ist auch eine zusätzliche Stelle, die kaputtgehen, verwirren und gepflegt werden muss. Bei einem Ein-Personen-Betrieb, der die Seite nebenbei betreut, ist das kein Detail, sondern entscheidend.
Heute gehe ich anders ran. Ich frage zuerst: Was ist die eine Handlung, die ein Besucher tun soll? Anrufen, Termin buchen, Formular schicken, in den Warenkorb legen. Alles, was diese eine Handlung nicht direkt unterstützt, wird auf später verschoben. Später kommt oft nie, und meistens fehlt es niemandem. Mehr dazu, wie ich Projekte schlank halte, steht in meinem Ansatz zum Webdesign.
Kommunikation: wer entscheidet, muss von Anfang an am Tisch sitzen
Bei der Steuerkanzlei gab es zwei Partner. Mit einem habe ich das ganze Konzept abgestimmt. Der zweite tauchte erst zur Abnahme auf und hatte, freundlich gesagt, andere Vorstellungen. Farbe, Tonalität, die ganze Startseite. Wir mussten zurück ans Reißbrett, obwohl inhaltlich alles gestimmt hatte.
Das war teuer an Nerven und Zeit, und es war vermeidbar. Seitdem kläre ich vor dem ersten Entwurf, wer am Ende die Freigabe gibt, und ich bestehe darauf, dass diese Person beim Konzept-Termin dabei ist. Nicht per Weiterleitung, sondern im selben Gespräch. Eine Website ist ein Kompromiss zwischen Menschen, nicht nur ein technisches Produkt.
Was ich beim nächsten Projekt konkret anders mache
Zusammengefasst, ohne Beschönigung:
- Content-Puffer einplanen. Ich rechne fest damit, dass Texte und Bilder Wochen zu spät kommen, und liefere Rohentwürfe zum Korrigieren.
- Freigabe am Handy. Jeder Entwurf wird zuerst auf dem Smartphone des Kunden geöffnet, nicht auf meinem Monitor.
- Funktionen nachschieben, nicht vorbauen. Start mit dem, was die eine wichtige Handlung stützt. Der Rest wartet, bis er wirklich fehlt.
- Entscheider früh an den Tisch. Wer die Freigabe gibt, ist beim Konzept dabei.
Das sind keine großen Weisheiten. Es sind fünf konkrete Projekte aus dem Münchner Westen, zwischen Fürstenfeldbruck und Germering, die mir das eher unsanft beigebracht haben. Und der Live-Chat aus Maisach hängt mir noch nach. Manchmal ist die langweilige Lösung einfach die bessere.
Wenn Sie gerade eine neue Website planen oder eine bestehende Seite nicht das bringt, was sie soll: Ich schaue mir das gern an. Kostenloser Website-Check, ehrliches Feedback, kein Verkaufsdruck. In rund 30 Minuten sage ich Ihnen, was ich lassen und was ich ändern würde. Schreiben Sie mir über das Kontaktformular, dann finden wir einen Termin.