Ein billiger Webdesigner ist selten ein Schnäppchen, und das Risiko zeigt sich meistens erst zwei Jahre später. Wir bekommen fast jeden Monat eine Anfrage von einem Betrieb, der genau das durchgemacht hat: Website beim günstigsten Anbieter gebaut, Anbieter verschwunden, und jetzt sitzt jemand vor einem Scherbenhaufen und weiß nicht, wem die eigene Domain eigentlich gehört. Dieser Text ist kein Verkaufsgespräch. Es ist das, was wir bei diesen Übergaben immer wieder sehen.
Was geht schief, wenn nur der Preis zählt?
Der Preis ist ein schlechter Alleinentscheider, weil er nichts über das aussagt, was nach der Rechnung passiert. Eine Website ist kein Möbelstück, das man einmal kauft und hinstellt. Sie braucht Updates, sie hat Sicherheitslücken, sie muss erreichbar bleiben. Wenn der Ersteller weg ist, hängen Sie in der Luft.
Die Muster, die bei uns auf dem Tisch landen, wiederholen sich. Ein paar davon:
- Der Dienstleister ist unauffindbar. Keine Antwort auf Mails, Telefonnummer tot, Gewerbe abgemeldet. Manchmal war es ein Nebenjob, den jemand aufgegeben hat.
- Kein Zugang zur eigenen Domain. Die Domain läuft auf den Namen des Erstellers oder in einem Reseller-Konto, an das Sie nie herangekommen sind.
- Ein Baukasten, den niemand mehr pflegt. Wix, ein exotisches CMS, eine selbstgestrickte Lösung. Sobald der eine Mensch weg ist, der es verstanden hat, ist es eine Blackbox.
- Kein Backup, keine Dokumentation. Wenn etwas kaputtgeht, gibt es keinen Wiederherstellungspunkt.
Das Ärgerliche daran: Keiner dieser Punkte fällt auf, solange alles läuft. Die Seite sieht online gut aus, das Kontaktformular funktioniert, der Kunde ist zufrieden. Der Ärger kommt verzögert. Und dann meistens zum ungünstigsten Zeitpunkt, etwa wenn die Domain ausläuft und niemand die Verlängerung bezahlt.
Wie kam die Domain aus dem ausländischen Reseller-Konto zurück?
Ein konkreter Fall aus Fürstenfeldbruck, weil er so typisch ist. Ein kleiner Handwerksbetrieb kam zu uns, die alte Seite hakte an allen Ecken, und der ursprüngliche Ersteller war seit Monaten nicht erreichbar. So weit, so bekannt. Das eigentliche Problem tauchte erst auf, als wir die Domain umziehen wollten.
Die Domain lag nicht bei einem deutschen Anbieter. Sie steckte in einem Reseller-Konto bei einem ausländischen Registrar, angelegt auf eine Mailadresse, die dem alten Dienstleister gehörte. Der Betrieb selbst hatte nie einen eigenen Login gehabt. Nie. Wir mussten den Inhaberwechsel über den Registrar-Support anstoßen, Nachweise über die Gewerbeanmeldung liefern, Fristen abwarten. Das hat gedauert, deutlich länger als der Neubau der Seite selbst. Am Ende hat es geklappt, aber der Kunde hätte sich diese Wochen sparen können, wenn die Domain von Anfang an auf seinen Namen gelaufen wäre.
Die Lehre ist unspektakulär: Ihre Domain gehört Ihnen. Nicht dem Webdesigner, nicht der Agentur, nicht irgendeinem Konto, an das Sie kein Passwort haben. Das ist die eine Sache, die Sie unbedingt prüfen sollten, bevor Sie irgendwo unterschreiben.
Rechnet sich der billige Anbieter über drei Jahre wirklich?
Rechnen wir es einmal offen durch, ohne geschönte Zahlen. Nehmen wir einen typischen Baukasten-Weg gegen eine solide gebaute Seite mit Betreuung. Die Beträge sind grobe Praxiswerte, keine Preisliste, und variieren je nach Umfang.
Billig-Variante: Erstellung günstig, sagen wir 800 Euro einmalig. Dann laufende Baukasten-Gebühr, oft 20 bis 30 Euro im Monat. Klingt wenig. Über drei Jahre sind das schon rund 900 bis 1.100 Euro allein an Abo. Dazu kommt: Sobald Sie eine echte Änderung brauchen, die der Baukasten nicht hergibt, zahlen Sie extra oder es geht gar nicht. Und wenn der Ersteller weg ist, kommt der Notfall-Umzug obendrauf, bei uns realistisch ein paar hundert Euro Aufwand, nur um den Schlamassel zu entwirren.
Solide Variante: Höhere Erstinvestition, dafür gehört Ihnen die Seite und die Domain, Sie haben Backups, und Sie haben jemanden, der ans Telefon geht. Über drei Jahre gerechnet liegen die beiden Wege oft näher beieinander, als man denkt, und in vielen Fällen ist die vermeintlich teure Lösung am Ende die günstigere. Nicht wegen Magie. Weil die versteckten Kosten der Billig-Variante wegfallen.
Wer das im Detail nachvollziehen will: Wir haben die Frage Betreuung gegen Selbstwartung in einem eigenen Beitrag ehrlich durchgerechnet. Und wenn es Sie technisch interessiert, warum manche günstigen Seiten irgendwann von selbst umkippen, lesen Sie den Beitrag zu Plugins, die eine Website lahmlegen.
Woran erkennen Sie einen tragfähigen Anbieter?
Sie müssen kein Technikprofi sein, um die roten Flaggen zu sehen. Ein paar Fragen reichen, und die Antworten sagen viel.
- Läuft die Domain auf meinen Namen, mit meinem eigenen Zugang?
- Bekomme ich alle Zugangsdaten schriftlich, auch wenn wir uns trennen?
- Gibt es regelmäßige Backups, und wo liegen die?
- Auf welcher Technik läuft die Seite, und kann sie ein anderer übernehmen?
- Wer ist erreichbar, wenn am Samstag die Seite offline ist?
Wenn jemand bei diesen Fragen ausweicht, ist das ein Signal. Ein seriöser Webdesigner beantwortet das ohne Zögern, weil er nichts zu verstecken hat. Übrigens ein guter Test auch bei uns: Fragen Sie uns das. Wir sollten nicht ins Schwitzen kommen.
Noch ein Punkt, der oft untergeht. Eine Website ist Teil Ihres Geschäfts, kein Deko-Objekt. Wenn sie ausfällt oder bei Google unsichtbar ist, kostet das Aufträge. Warum der Webauftritt heute stärker über Erfolg oder Misserfolg mitentscheidet, haben wir separat aufgeschrieben. Genau deshalb ist der billigste Anbieter beim wichtigsten Schaufenster oft die falsche Sparstelle.
Häufige Fragen
Was tue ich, wenn mein Webdesigner nicht mehr erreichbar ist?
Zuerst klären, wo Domain und Hosting liegen und ob Sie Zugangsdaten haben. Bei der Domain hilft eine Whois-Abfrage. Fehlt Ihnen der Zugang, kann ein Inhaberwechsel über den Registrar angestoßen werden, meist mit Nachweis Ihrer Firma. Das dauert, ist aber machbar.
Wem gehört meine Domain eigentlich?
Dem eingetragenen Inhaber, nicht automatisch Ihnen. Deshalb sollte die Domain immer auf Ihren Namen und in Ihrem eigenen Konto registriert sein. Prüfen Sie das vor jedem Projektstart, nicht erst im Streitfall.
Ist ein Baukasten grundsätzlich schlecht?
Nein. Für manche Zwecke reicht das völlig. Kritisch wird es, wenn Sie an das System gebunden sind, die Daten nicht mitnehmen können und niemand außer dem Ersteller es pflegt. Die Abhängigkeit ist das Problem, nicht das Werkzeug an sich.
Wenn Sie unsicher sind, wie Ihre aktuelle Seite dasteht: Wir schauen kostenlos drauf. Ein 30-minütiger Website-Check, ehrlich, ohne Verkaufsdruck. Wir sagen Ihnen, wo die Domain liegt, wie tragfähig die Technik ist und ob ein Wechsel sich überhaupt lohnt. Melden Sie sich einfach über unser Kontaktformular, dann finden wir einen Termin. Auch wenn Sie am Ende nichts bei uns machen, wissen Sie danach mehr als vorher.