Fast jede Woche landet bei kleinen und mittleren Unternehmen eine E-Mail mit einem Backlink-Angebot im Postfach. Domain-Ranking, DA-Wert, Presseverteiler, alles klingt sauber aufgestellt. Ob dahinter eine echte Redaktion steht oder nur eine Verkaufsseite mit Presse-Optik, lässt sich in wenigen Minuten prüfen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Hier sind sechs Fragen, die vor jeder Zusammenarbeit gehören, ohne dass Sie dafür ein bezahltes SEO-Tool brauchen.
Frage 1: Was steht im Impressum?
Öffnen Sie das Impressum, bevor Sie irgendetwas anderes tun. Stehen dort eckige Klammern wie [Name] oder [Handelsregisternummer], die offenbar nie ausgefüllt wurden? Fehlt die Registernummer komplett, oder fehlt der Name der Geschäftsführung? Ein Impressum mit Lücken ist kein Formfehler. Es ist nach Paragraf 5 DDG (vormals TMG) eine Pflichtangabe, die jeder geschäftsmäßige Anbieter in Deutschland erfüllen muss. Wer das selbst nicht schafft, gibt kein gutes Bild für eine Dienstleistung ab, die Ihnen zu mehr Vertrauen bei Google verhelfen soll.
Frage 2: Wie alt ist die Domain wirklich?
Ein Anbieter, der mit jahrelanger Erfahrung wirbt, sollte auch eine entsprechend alte Domain vorweisen können. Eine DENIC-Abfrage zeigt das Registrierungsdatum in einer Minute, kostenlos und ohne Anmeldung. Ergänzend zeigt die Zertifikatshistorie eines Anbieters wie crt.sh, seit wann unter der Domain überhaupt ein SSL-Zertifikat lief. Das deckt gelegentlich Domains auf, die erst vor kurzem übernommen und mit neuen Inhalten befüllt wurden, obwohl die Registrierung selbst schon älter ist. Klaffen beworbene Erfahrung und tatsächliches Domain-Alter weit auseinander, ist das kein automatischer Betrugsbeweis, aber ein Grund für eine zweite Prüfung.
Ein Blick auf den eigenen organischen Traffic der Seite gehört dazu. Eine Ahrefs-Auswertung aus dem Jahr 2020 kam zu dem Ergebnis, dass 90,63 Prozent aller untersuchten Seiten keinen organischen Google-Traffic erhalten. Eine Linkquelle, die selbst bei praktisch null Besuchern steht, verschafft Ihnen selten Reichweite, nur einen Eintrag in einer Liste.
Frage 3: Wie oft erscheint neuer Content, und mit welchem Namen?
Werfen Sie einen Blick auf den Blog des Anbieters selbst. Wie viele Artikel sind in den letzten drei Tagen erschienen, und steht bei jedem ein Autor mit Namen dran? Eine Redaktion arbeitet in einem menschlichen Tempo, mit erkennbarer Handschrift und einem Namen, der auch anderswo im Netz auffindbar ist. Erscheinen dagegen mehrfach täglich neue Artikel ohne erkennbare Autorenzeile, deutet das eher auf automatisierte Content-Produktion hin als auf redaktionelle Arbeit. Für die eigene Backlink-Recherche gilt dieselbe Regel umgekehrt: Ein Artikel, in dem Ihr Link auftauchen soll, gehört auf eine Seite mit erkennbarem Autor und nachvollziehbarem Erscheinungsrhythmus. Sonst zählt der Link für Google möglicherweise wenig.
Frage 4: Nennen die Referenzen volle Firmennamen mit Link?
Referenzen sind die einfachste Prüfung von allen, weil sie sich sofort nachvollziehen lassen. Stehen dort volle Firmennamen mit einem Link auf die jeweilige Website? Dann prüfen Sie in wenigen Klicks, ob diese Firmen wirklich existieren und ob deren Website tatsächlich einen Backlink von diesem Anbieter enthält. Stehen dort nur Vornamen, Branchen ohne Namen oder Logos ohne Verlinkung, lässt sich nichts davon nachprüfen. Eine Referenzliste, die sich nicht verifizieren lässt, ist keine Referenzliste. Sie ist eine Behauptung.
Frage 5: Wie kam der Kontakt zustande?
Kam die erste Nachricht als unaufgeforderte E-Mail, ohne dass Sie jemals um Kontakt gebeten haben? Dann ist das in Deutschland ohne vorherige Einwilligung unzulässig, auch im B2B (Paragraf 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG). Ein Anbieter, der diese Grundregel selbst nicht einhält, zeigt schon vorab, wie ernst er es mit rechtlicher Sorgfalt nimmt, ausgerechnet bei einem Produkt, das Ihnen zu mehr Konformität bei Google verhelfen soll. Dieser Absatz ersetzt keine Rechtsberatung, bei einer konkreten Abmahnung empfehlen wir eine Fachperson.
Frage 6: Verkauft der Shop Masse oder Redaktion?
Manche Anbieter präsentieren ihr Angebot wie einen Onlineshop: tausende Domains mit DA-Wert, Filter nach Kategorie und Preis, Warenkorb, Checkout. Das ist kein Zeichen von Größe. Verkauft der Shop tausende Gastartikel-Platzierungen mit DA-Wert, ist das ein Marktplatz-Feed, keine Redaktion. Eine Redaktion, die tatsächlich Gastbeiträge auswählt, hat eine begrenzte Kapazität, lehnt Themen ab, die nicht passen, und braucht Vorlauf. Ein System, das jede Bestellung ohne Rückfrage sofort ausführt, verkauft einen Platzierungsslot, keinen redaktionellen Kontext. Für den SEO-Wert macht das einen erheblichen Unterschied: Ein Backlink von einer Seite, die in derselben Woche hunderte andere Firmen verlinkt, wirkt für Google selten wie eine echte redaktionelle Empfehlung.
Was hinter dem Muster steckt
Bei einer eigenen Backlink-Analyse für den Wettbewerbsvergleich im Großraum München haben wir geprüft, welche Domains gleich mehrere Anbieter aus derselben Branche verlinkten. Von 75 Domains, die auf mindestens zwei der untersuchten Wettbewerber gleichzeitig verlinkten, folgten 68 einem erkennbaren Linkfarm- oder PBN-Muster: durchweg SEO-klingende Domainnamen, auffällig hohe Spam-Scores, keine erkennbare Redaktion dahinter. Das deckt sich mit den sechs Fragen oben. Dieselben Merkmale, Impressum-Lücken, kein erkennbares Alter, keine echte Redaktion, tauchen dort systematisch wieder auf.
Checkliste: 6 Fragen vor jeder Backlink-Zusammenarbeit
- Ist das Impressum vollständig, ohne Platzhalter, mit Registernummer und Geschäftsführung?
- Passt das Domain-Alter laut DENIC-Abfrage und Zertifikatshistorie zur beworbenen Erfahrung?
- Erscheinen Blogartikel in menschlichem Tempo, mit erkennbarem Autor?
- Nennen Referenzen volle Firmennamen mit funktionierendem Link?
- Kam der Kontakt über einen Weg zustande, der in Deutschland rechtlich zulässig ist?
- Wirkt das Angebot wie eine sorgfältig geführte Redaktion oder wie ein Massen-Feed mit DA-Preisliste?
Häufige Fragen
Ist jeder Backlink-Anbieter unseriös?
Nein. Es gibt Digital-PR-Agenturen und Fachredaktionen, die echte, geprüfte Platzierungen mit echtem Traffic vermitteln. Der Unterschied zeigt sich genau in den sechs Fragen oben: vollständiges Impressum, nachvollziehbares Domain-Alter, menschliches Content-Tempo, verifizierbare Referenzen, korrekte Kontaktaufnahme, redaktionelle statt automatisierte Auswahl.
Reicht eine einzelne auffällige Antwort, um einen Anbieter abzulehnen?
Ein einzelner Punkt allein ist selten ein Ausschlusskriterium, aber ein Anlass zum genaueren Hinsehen. Treffen zwei oder mehr der sechs Warnzeichen gleichzeitig zu, insbesondere Impressum-Lücken zusammen mit Massen-Feed-Optik, raten wir von einer Zusammenarbeit ab.
Was, wenn ich schon einen Link von einer solchen Seite habe?
Nicht in Panik verfallen. Ein einzelner schwacher Link führt selten zu einer manuellen Abstrafung, Googles Spam-Systeme filtern die meisten toxischen Signale automatisch heraus. Ein Disavow-Antrag lohnt sich in aller Regel erst bei einer echten manuellen Maßnahme in der Google Search Console, nicht schon bei einem einzelnen fragwürdigen Link.
Unsicher, ob ein Angebot in Ihrem Postfach echte Redaktion oder nur eine Hülle ist? Schicken Sie uns den Link, wir schauen im Rahmen eines kostenlosen 30-Minuten-Checks ehrlich drauf. Melden Sie sich über unser Kontaktformular. Was eine echte Platzierung stattdessen kosten sollte, rechnen wir im Beitrag Was ein Backlink 2026 wirklich kostet vor.